Freitag, 13. Juni 2008
Grundlagen
Es gibt vermutlich nichts im Christentum, das mit so viel Furcht und Abscheu erduldet wurde, wie die Inquisition, und wohl wenig, das mit solcher Intensität und Erbarmungslosigkeit betrieben worden ist. "Selbst die Menschenquäler der KZs", schreibt Hans Wollschläger mit allem Recht, "haben nicht so zu quälen verstanden." Dies liegt, neben dem Fanatismus, dem kriminellen Wahnsinn für die Sache, zweifellos am meisten am Gewinn, den sie abwarf durch die Bußgelder, die Konfiskationen; eine Strafe, die die Kirche selbst aus dem römischen Recht in die europäische Gesetzgebung zur Pönalisierung von Gebotsübertretungen eingeführt hat. [...] Die unbeugsame Grausamkeit der Kirche und ihrer Komplizen [...] strafte an Gut und Blut. Aber sie strafte nicht nur die Herätiker, sondern oft auch ihre Helfer, Beschützer, strafte jeden, der diese in irgendeiner Weise begünstigt hatte. Das Bespitzeln, Aushorchen, Denunzieren wird systematisch gezüchtet, jede Art scheußlicher Seelenstimmungen, der immerwährenden Angst, Arglist, der Gehässigkeit gefördert, herausgelobt und belohnt, jedes Vertrauen zwischen Menschen untergraben und das Ganze, Gipfel der Perversion, auch noch als gesellschaftliches Ideal hingestellt - eine Hölle, die Generation um Generation ins Elend stürzt, eine der Grundlagen der Geschichte, die wir haben.

Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Band 7, rororo 2002, S. 271 - 273.

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