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Dienstag, 27. September 2005
Was du auch tust, lach nicht
wednesday, 17:28h
In einsamen Momenten im Pendlerzug, in seiner Wohnung in Manhattan oder im Flugzeug, wenn er die Maschine beben spürt, als befinde sie sich mitten in einem tödlichen Absturz, richtete Lionel seine Gedanken eilig nach innen, nur um zu entdecken, daß ihm in seinem Innern ebenfalls Gefahr drohte; seine Seele war ein gekrümmter Spiegel, der wie ein Zerrspiegel das Gesicht desjenigen entstellt, der davor steht. Du könntest sonst wer sein, mit einem beliebigen Gesicht. Das Gesicht ist bloß Haut. Reiner Zufall. In solchen Momenten schien er sich einer tiefen, aber unaussprechlichen Wahrheit zu nähern: daß unsere Identität zufällig ist.
J.C. Oates, Hudson River, S. Fischer Verlag 2003, S. 113 ... comment
demon driver,
Dienstag, 27. September 2005, 20:03
So zufällig ist die gar nicht, unsere Identität...
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wednesday,
Mittwoch, 28. September 2005, 06:36
Lionel hat diese Gedanken eventuell, weil er vielleicht gar keine Identität besitzt, was ich noch herausfinden muß.
Aber warum sollte Identität nicht tatsächlich zufällig sein? ... link
demon driver,
Mittwoch, 28. September 2005, 07:37
Zu einem erheblichen Teil ist sie das natürlich. Aber sie hat doch auch eine gar nicht so zufällige Komponente – wir können unsere Identität ja bewusst verändern und tun das auch immer wieder. Wir suchen uns in gewissen Grenzen aus, wer und was wir sind. Was genau ist in diesem Zusammenhang eigentlich Identität, und wie unterscheidet die sich von der Persönlichkeit?
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wednesday,
Samstag, 1. Oktober 2005, 16:08
Biometrie
Identität, das ist, wenn deine "biometrischen Daten" im Ausweis mit dir in natura übereinstimmen. :-D
Ich glaube nicht, daß man seine "Identität" bewusst verändert. Wenn man sie verliert, wird man irre. Über jene, die nie eine hatten, will ich nicht spekulieren. Ziemlich gruselige Vorstellung. Identität bleibt gleich, würde ich sagen, auch wenn man seine Persönlichkeit "entwickelt", sich weitere Facetten in ihr bilden. Identität wird ja nicht größer oder kleiner oder anders, sie passt bestenfalls immer zur Persönlichkeit. Ich fürchte, ich finde nicht die passenden Worte. Aha! Hilfe bietet mir wissen.de, meine Güte! "Persönlichkeit - im allgemeinen Sprachgebrauch eine ausgezeichnete Individualität; sonst Inbegriff der individuellen Eigenschaften einer Person. Der Persönlichkeitsforschung geht es um die Herausarbeitung von Persönlichkeitsfaktoren (z. B. Aktivität, Selbstbeherrschung, emotionale Stabilität) sowie eines "Prozesscharakters" der Persönlichkeit, aufgrund dessen sich die Entwicklung der Persönlichkeit mit einiger Wahrscheinlichkeit voraussagen lässt." "Persönlichkeit und Identität sind nicht das Gleiche: Die Identität ist das Bild, das man von sich selbst und von seiner eigenen Persönlichkeit hat. Jeder Mensch hat eine Identität, eine Vorstellung dessen, was sein "Ich" ausmacht. Zur Identität gehören drei verschiedene Aspekte: Selbstbild, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Auch wenn einige Aspekte der Identität genetisch bedingt sind, wie beispielsweise der Körperbau, so entwickelt sich die Identität eines Menschen während seines gesamten Lebens weiter." ... link
demon driver,
Samstag, 1. Oktober 2005, 19:13
Wie schwer der Identitätsbegriff zu fassen ist, zeigt Dein Zitat, darin dass selbst wissen.de sich trotz der Kürze des Textes in innere Widersprüche verstrickt. Einerseits beginnt es mit der auf den ersten Blick plausiblen Definition von Identität als Bild von sich selbst, drei Sätze später jedoch fällt der Körperbau darunter und anderes, was genetisch bedingt sei – Körperbau mag im Inhalt des Bildes, das man von sich hat, vorkommen, aber es kann dieses Bild nicht sein, und dieses Bild kann somit Merkmale beinhalten, die aus genetischer Prädisposition stammen, aber ich würde nicht annehmen, dass das Bild, auch nicht in Aspekten, nennenswert genetisch bedingt sein kann. Wissen.de hat da anscheinend Probleme mit zwei Abstraktionsebenen – der des Bildes und der des Inhalts. Aber das ist jetzt immerhin schon mal ein Ansatzpunkt ;-)
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wednesday,
Samstag, 1. Oktober 2005, 19:47
*grummel*
wissen.de hat verkürzt, aber eigentlich ist die Sache ja klar. Dafür habe ich geirrt, aber anstatt mich zu kritisieren, kritisierst Du wissen.de. ;-) [Wer weiß, wer da die Texte zusammenstellen muss. Ein armer Student irgendwelcher Geisteswissenschaft? Der Medizin?] Wo habe ich geirrt? In meiner Vermutung, Identität würde immer gleich bleiben, bzw. sich der Entwicklung der Persönlichkeit anpassen und trotzdem gleich bleiben, was ja dann nicht stimmt, wenn die Identität das Selbstbild beinhaltet. Usf. Hunger.
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