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Donnerstag, 27. Januar 2005
Netzabhängigkeit, Optimismus, Rote Armee
demon driver, 17:27h
Netzabhängigkeit - darin stecken wohl irgendwie beide Bedeutungsvarianten der Abhängigkeit, die schlichte, logische, physische Voraussetzung des einen für das andere ebenso wie die Sucht. Der suchtbezogene Abhängigkeitsbegriff übrigens, obwohl von der WHO erst als Standardbegriff für das Phänomen eingeführt, hat dabei im Grunde genommen etwas leicht Euphemistisches; er rationalisiert die Krankheit, die so eine ausgewachsene Sucht verkörpert, zu einem simplen Kausalitätszusammenhang. Die Tätigkeit an einem internetbezogenen Büroarbeitsplatz hingegen tendiert dazu, tatsächlich von einem simplen Kausalzusammenhang mit dem Funktionieren der Internetanbindung geprägt zu sein.
Was macht man, wenn morgens um acht im Büro der Netzzugang ausfällt? Die Fehlermeldungen deuten auf einen DNS-Server hin, der sich seiner Aufgabe, der Namensauflösung (wobei es sich, für die Nichttechniker unter den Lesern, übrigens nicht sozusagen um die Entmaterialisierung des Namens handelt, sondern um dessen Übersetzung in eine ihm zugeordnete, von den Netzwerkkomponenten benötigte Zahlenfolge, die IP-Adresse), nicht mehr gewachsen sieht, und einen Web-Proxy-Server, der, scheinbar in einer Regung von Selbstschutz, erst einmal dem Netzbenutzer befiehlt, er solle gefälligst »überprüfen«, »ob die Adresse korrekt ist«, von der er da etwas angefordert hat; dabei hatte er eine Zeile zuvor den Hilferuf des DNS-Servers wörtlich zitiert, aus dem er doch hätte entnehmen können, dass nicht der Benutzer, sondern der DNS-Server ein Problem hat. Sie sind alle so schrecklich dumm hier, die Netzwerkkomponenten; so viel dümmer noch als ihre Benutzer und Administratoren. Letztere hatten immerhin schon frühzeitig eine - wenn auch leicht euphemistische - Meldung verschickt, dass der Zugang gerade etwas »schleppend« sei, und man sich darum kümmere. Was ein Glück bei all dem, wenn die Tätigkeit immer noch genug Aufgaben umfasst, für die der Internetanschluss des Hausnetzes gar nicht von primärer Bedeutung ist, nicht wahr? Es fehlte einem dann ja im Grunde genommen nur die Verbindung zur Außenwelt, als hätte man den Briefkasten vernagelt, das Radio, das Fernseh weggenommen und die Fenster verrammelt bekommen. Nur wozu aufregen, wenn die Privatnutzung des Internet im Büro ohnehin »verboten« ist? Spaß bei der Arbeit? Wo kämen wir denn da hin? Aber man hat ja noch Radio, Kaffeemaschine, Fenster. Was gibt es sonst neues? Der »Marktforscher GfK« sagt eine »Konsum-Trendwende« voraus und behauptet allen Ernstes, »die Verbraucher sehen mit überraschend großem wirtschaftlichen Optimismus in die Zukunft«, während eine weitere Meldung lautet, »Adidas erzielt Rekordgewinn«; »Karmann« dagegen »will angeblich 600 Stellen streichen«, und die »Siemens-Handysparte« macht »mit Absatzeinbruch und hohen Verlusten« von sich reden. Und in den Hörfunknachrichten des SWR2 heißt es im Zusammenhang mit dem heutigen Tage tatsächlich explizit, das Vernichtungslager Auschwitz sei vor 60 Jahren »von der Roten Armee« befreit worden. Es bleibt die Frage, wie groß der Anteil der deutschen Bevölkerung sein mag, der nicht nur a) weiß, was die »Rote Armee« war, sondern auch b), was die »Rote Armee Fraktion« war und was c) beide voneinander unterscheidet, beziehungsweise ob der zuständige RAF-, pardon, SWR-Redakteur angesichts dieser ja wohl vollkommen unnötigen und kommunismusverharmlosenden Nennung nicht noch von irgendwelchen aufrechten Deutschen ins Verhör genommen wird... ... comment
wednesday,
Donnerstag, 27. Januar 2005, 17:53
hei tovarischi...
Arbeitgeber Mephistopheles und Arbeiter Faust... *lach*
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kassandra,
Donnerstag, 27. Januar 2005, 20:03
...
"das Vernichtungslager Auschwitz sei vor 60 Jahren »von der Roten Armee« befreit worden"
Was ist daran falsch? ... link
demon driver,
Donnerstag, 27. Januar 2005, 20:22
Nichts, nichts. Nur ein kleiner Sarkasmusversuch meinerseits, am Ende... ich war so überrascht von dem Satz im Radio, nachdem dieses kleine Detail bislang nirgends Erwähnung gefunden hatte, dass ich das irgendwie verarbeiten musste.
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demon driver,
Donnerstag, 27. Januar 2005, 20:52
Mit fiel das wohl deswegen so auf, weil's gerade in anderer Runde thematisiert worden war: alle reden davon, dass »befreit« wurde, aber wer denn da befreite schafft es nicht bis in die Meldungen.
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