|
Sonntag, 10. September 2006
»Fürchtet euch und zittert!«
wednesday, 13:03h
Die ideologische Botschaft hat sich geändert. Aus der Losung: »Egal welche Arbeit, Hauptsache eine Lohntüte« wurde: »Egal wieviel Lohn, Hauptsache ein Arbeitsplatz.« Anders gesagt: Seid zu allen Zugeständnissen und Demütigungen, zu jeder Art von Unterwürfigkeit und Niederträchtigkeit im Konkurrenzkampf bereit, wenn ihr einen Arbeitsplatz wollt oder er auf dem Spiel steht; denn, »wer seinen Arbeitsplatz verliert, verliert alles«, so lautet, wenn schon nicht die allgemeine Gefühlslage, so doch zumindest die Botschaft des herrschenden Diskurses. (...) Eine wundersame Umkehrung: Nicht etwa der Arbeitende »macht sich mehr nützlich« für die anderen, sondern die Gesellschaft macht sich nützlich, indem sie euch Arbeit »beschafft«, indem sie euch dieses »wertvolle Gut«, die Arbeit, schenkt, das euch sonst fehlen würde, und sie erstaunt und entrüstet sich, wenn sich diejenigen, die »das Privileg« eines Arbeitsplatzes besitzen, undankbar gegen die immer zwingenderen Arbeitsbedingungen, die man ihnen für ein stets sinkendes Entgelt auferlegt, aufzulehnen, sie gar abzulehnen wagen.
Andre Gorz, Arbeit zwischen Misere und Utopie, S. 80-81. Suhrkamp Verlag 2000. ... comment |
Online for 7954 days
Last update: 30. Aug, 18:49 status
You're not logged in ... login
menu
links
search
calendar
recent updates
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||