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Mittwoch, 11. Januar 2006
Verschwindung
wednesday, 18:46h
Diese Bauernkollegs verschwinden dann wieder; sie werden den tiefgreifenden Wandel der Sitten nicht überleben. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts kommt ein neuer Geist auf, der die Gegebenheiten des 19. Jahrhunderts vorbereitet: es ist derselbe Geist, der die Philosophie der Aufklärung beseelt. Er wehrt sich gegen die Zulassung der Kinder aus dem Volk zur höheren Schulbildung. Man ist nun der Meinung, daß die Bildung den Reichen vorbehalten bleiben solle, weil ihre Ausdehnung auf die Armen diese den handwerklichen Berufen entfremden und Versager aus ihnen machen würde. Die gesamte Gesellschaft würde unter einem Mangel von nützlichen Handarbeitern und einer Inflation von Unproduktiven zu leiden haben. Diese Meinung faßt die Abneigung gegen die Vermischung der sozialen Klassen in der Schule in die Sprache der Okonomie. Mit diesem Standpunkt bezieht man genau die entgegengesetzte Position zum Denken der Reformer des 17. Jahrhunderts, die in der Bildung das einzige Mittel gesehen hatten, um die Sittlichkeit des Bettelvolks zu heben, Bedienstete und Arbeiter heranzuziehen und den verschiedenen Berufen auf solche Weise tüchtige Arbeitskräfte zuzuführen. Doch haben wir es hier bereits mit dem Thema des sozialen Konservativismus im 19. wie auch des kolonialen im 20. Jahrhundert zu tun, der in der Schule das Vehikel erblickt, welches die modernen und revolutionären Ideen unter das Volk bringt und die Autorität der etablierten Besitzverhältnisse unterminiert. Der Wendepunkt im 18. Jahrhundert ist besonders bezeichnend für einen tiefgreifenden Strukturwandel.
Philippe Ariès: Geschichte der Kindheit. Carl Hanser Verlag 1975. S. 433. ... link (2 comments) ... comment ... older stories
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