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Sonntag, 7. Oktober 2007
Formen der Ordnung VI
wednesday, 11:25h
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wednesday,
Sonntag, 7. Oktober 2007, 13:26
Die Kälte einer Friedhofsverwaltung wehte sie daraus an, die Öde verschmuddelter Kanzleien, und irgendwie fühlte sie sich an die leblosen Züge eines gewissen kleinen Beamten auf einem der Ämter erinnert, die sie in jenen Tagen hatte aufsuchen müssen, als man sie und Lushin wegen eines armseligen Papiers von einer Dienststelle zur anderen schickte. Der Beamte war schäbig gekleidet und reizbar und aß gerade ein Diabetikerbrötchen. Wahrscheinlich bekam er ein jämmerliches Gehalt, war verheiratet und hatte ein Kind mit Ausschlag am ganzen Körper. Dem Papier, das sie nicht hatten und heranschaffen mußten, maß er kosmische Bedeutung bei, die ganze Welt hing von diesem Papier ab und würde rettungslos zu Staub zerfallen, wenn es jemandem fehlte. Und das war noch nicht alles: Es stellte sich heraus, daß die Lushins es erst nach Ablauf einer unermeßlichen Frist bekommen konnten, nach Jahrtausenden der Verzweiflung und Leere, und zur Linderung dieses Weltschmerzes war einem nur ein
einziges Mittel zugestanden, nämlich Anträge auszufüllen. Der Beamte fuhr den armen Lushin an, weil er in seinem Büro rauchte, und dieser zuckte zusammen und steckte den Stummel in die Tasche. Durchs Fenster sah man ein im Bau befindliches Haus mit einem Gerüst drum herum und den schrägen Regen; in einer Ecke des Raumes hing ein kleines schwarzes Jackett, das der Beamte während der Dienststunden mit einer Lüsterjacke vertauschte, und von seinem Tisch ging eine Atmosphäre von lila Tinte und der gleichen transzendenten Hoffnungslosigkeit aus. Sie gingen mit leeren Händen, und sie hatte das Gefühl, als hätte sie mit einer grauen, blinden Ewigkeit gekämpft, die sie besiegt und ihre schüchterne irdische Bestechung verächtlich zurückgewiesen hatte - drei Zigarren. Auf einer anderen Dienststelle bekamen sie das Stück Papier dann anstandslos. Später dachte Frau Lushin mit Schrecken daran, daß sich der kleine Beamte, der sie fortgeschickt hatte, wahrscheinlich ausmalte, wie sie nun als ruhelose Gespenster im luftleeren Raum umherirrten, und vielleicht auf ihre demütige, schluchzende Rückkehr wartete. Warum ihr gerade sein Bild vor Augen stand, wenn sie eine Moskauer Zeitung in die Hand nahm, war ihr unklar. Vielleicht das gleiche Gefühl von Langeweile und Mitleid? Doch das genügte ihr nicht, ihr Verstand blieb unbefriedigt - und plötzlich begriff sie, daß auch sie nach einer Formel suchte, der offiziellen Verkörperung eines Gefühls, und daß es doch auf etwas ganz anderes ankam. Vladimir Nabokov, "Lushins Verteidigung", Rowohlt Taschenbuch Verlag 2006, S. 258-259. ... link ... comment
suse,
Mittwoch, 10. Oktober 2007, 23:19
schon die neue TAZ Nord von heute gelesen?
siehe:
Zwang ist nicht relevant und dazu dann der Kommentar: Angeschafft und abgezockt kann das gerade nicht kommentieren, mir ist schlecht.... Gruß Bibi ... link ... comment |
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